Haus der Schulmathematik

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"Guter Unterricht ist freudvoll und nachhaltig."

Fachdidaktik Mathematik


Ein zentraler Zusammenhang
der Fachdidaktik
  Grafik: Ein zentraler Zusammenhang in der Fachdidaktik
Neue Unterrichtsinhalte müssen nicht nur klar und verständlich, sondern auch sehr zügig vermittelt werden. Nur so verbleibt ausreichend Zeit für geschickt gestaltete und wohldurch-dachte Wiederholungen. Und nur dadurch kann ein nachhaltiges Wissen & Können bei einem Großteil der Schüler erreicht werden.
Ein hervorragendes Wieder
holungskonzept ist der Schlüssel zu einem hohen und anhaltenden Unterrichtsertrag. Wie zügig man dafür bei der Stoffvermittlung voranschreiten muss, soll nachfolgende Grafik illustrieren. Sie zeigt die empfohlenen Zeitansätze für einen Mathematik-Leistungskurs in RLP. Nur wenn Analysis, Stochastik und Geometrie in je 2 Quartalen komplett vermittelt werden, können umfassende Beweis- und Abiturtrainings durchgeführt und die Inhalte ausreichend wiederholt, vertieft und vernetzt werden:
   Stoffverteilung Sek-II
Der größte
didaktische Fehler ...
...eine langatmige, ineffiziente Stoffvermittlung. Erkennbar daran, dass die Schüler häufig: 
  • neue Inhalte "selbstentdeckend" erraten müssen (Stochern im Trüben)
  • neue Inhalte gruppenteilig erarbeiten und präsentieren müssen
  • viel Text lesen bzw. von der Tafel abschreiben müssen
  • langen Unterrichtsgesprächen passiv folgen müssen
Langatmige Stoffvermittlungen rauben soviel Zeit, dass Wiederholungen und Vernetzungen nicht mehr in ausreichendem Maße stattfinden können. Ein nachhaltiger Kompetenzaufbau wird so zwangsläufig verfehlt.
Viel nachhaltiger ist es, wenn der Lehrer die neuen Zusammenhänge nicht "erarbeiten" lässt sondern knapp, zügig und einprägsam anhand von guten Beispielen mitteilt (ggf. unterstüzt durch kurze Erklärvideos). Die Stoffvermittlungsphase wird dadurch enorm entlastet. Selbstentdeckende Lerngelegenheit werden von der Stoffvermittlungsphase in die Anwen-dungsphase verschoben. Dort können sie gleichzeitig der Festigung und Vernetzung der neuen Inhalte dienen. Größere Beweise finden weder in der Stoffvermittlungs- noch in der Anwen-dungsphase statt. Sie werden komplett ausgelagert und in einer späteren, eigen-ständigen Beweistrainingsreihe intensiv und zusammenhängend behandelt.
Schüler
motivieren
Wie kann es gelingen, dass die Schüler während des Unterrichts aufmerksam und engagiert zuhören und mitarbeiten? Dazu muss das engagierte Zuhören und Arbeiten mit einem Nutzen verbunden sein. Dieser Nutzen sollte nicht heißen "Vermeidung von Strafen und Bloß-stellungen" sondern erlangen von Erfolgserlebnissen, Kompetenzzuwachs und Weltverstehen.
Der Unterricht sollte so klar, verständlich und nachhaltig gestaltet werden, dass möglichst alle Schüler einen stetigen Kompetenzzuwachs bewusst erleben. Zu erfahren, dass die eigenen Kompetenzen kontinuierlich zunehmen, ohne dass alte verloren gehen, motiviert, fesselt und begeistert Schüler automatisch. Im Sportbereich und bei PC-Apps lässt sich das beispielhaft beobachten.   
Nachbesprechung
in 3 Schritten
Studien zeigen, dass sich Lehrer - etwa im Gegensatz zu Ärzten und Ingenieuren - nicht automatisch mit zunehmender Berufserfahrung verbessern. Das dafür notwendige "Verbes-serungs-Wissen" baut sich im Lehrerberuf nicht automatisch auf, sondern entsteht nur bei denjenigen, die den langfristigen Ertrag ihrer Unterrichtsstunden ungeschönt und klar erfas-sen können. Nur mit diesem Wissen können die richtigen Entscheidungen getroffen und kann die Wirksamkeit des eigenen Unterrichts substanziell gesteigert werden. 
Daher ist es das oberste Ziel der Lehrerausbildung, den angehenden Kollegen zu zeigen, wie sie den langfristigen Ertrag ihrer Unterrichtsstunden selbst erkennen können. Der langfristige Ertrag muss bei allen Stundennachbesprechungen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen. Das gelingt besonders gut, wenn der Lehramtskandidat/Praktikant zu Beginn eine Ertragsein-schätzung anhand folgender Tabelle vornimmt und kurz begründet. Danach gibt der Fachleh-rer/Fachleiter seine Schätzwerte bekannt:    
   Einschätzung des Ertrags:
Die Hauptfrage der Nachbesprechung lautet also: "Ist ein hoher Zuwachs an Wissen/
Können, bei fast allen Schülern und sehr nachhaltig vermittelt worden?"
Nachdem Referendar und Fachleiter ihre persönliche Einschätzung diesbezüglich geäußert und gesagt haben, in welchen Spalten sie ihre 4 Kreuze gesetzt haben, kann man zur Begründung einzelne Stundenphasen in Augenschein nehmen und mögliche Alternativen sammeln. Der nebenstehende Nachbesprechungsbogen bietet eine Struktur für derartige Besprechungen an. Er ist so konzipiert, dass er in fast allen Fächern, für Praktikanten und Referendare und in jedem Stadium der Ausbildung eingesetzt werden kann.
Reihen-Planung Die hier bereitgestellte Word-Datei hilft Referendaren und Praktikanten, ihre Unterrichtsstun-den vom Reihenziel aus planen zu können. Wenn der Lehrer dieses Blatt vor Beginn der 1. Reihenstunde ausfüllt und sich so vergewissert, welche zentralen Kernfragen und Kernaufga-ben jeder Schüler am Reihenende lösen können soll, verbessert sich der Unterricht automa-tisch. Schüler merken sehr gut, ob Lehrer auf konkrete, stundenübergreifende Ziele zu-steuern: der Unterricht wird spannender, verständlicher und wirksamer.
Typische Stundenverläufe Vier Arten von Stundenverläufen sind für den Mathematikunterricht typisch:     
   (1) fragend-entwickelndes Lernen mit Übungen                (Erarbeitung gemeinsam mit L)
   (2) selbstentdeckendes Lernen                             (S erarbeiten die neuen Inhalte selber)
   (3) eigenverantwortliches Lernen                  (S erarbeiten die ganze Unterrichtsreihe selber)
   (4) vernetzendes Üben                 (am Ende der Reihe werden alle Inhalte vernetzend eingeübt)
In jeder Stunde sollten folgende Phasen auftauchen:

 ―>  Sicherung B   (der bisherigen Inhalte)
 >  Einstieg
 >  Erarbeitung
  Sicherung A   (der neuen Inhalte)
 >  Übung/Vertiefung

Unerfahrene Lehrer wissen oft nicht, dass man Unterrichtsstunden und -reihen geschickter-weise von den Sicherungshasen ausgehend plant: "Was sind die Kerninhalte der Unterrichts-stunde? Wie lassen sich diese einprägsam und komprimiert darstellen, wie intensiv vernetzen und wie geschickt überprüfen?" An der Gestaltung dieser beiden Wiederholungsphasen kann direkt abgelesen werden, wie ertragreich und nachhaltig der Unterricht ist. 
Gestaltung-VP.pptx In Rheinland-Pfalz müssen die Referendare 4 Praktika in den Semesterferien absolvieren: 2 orientierende (OP) und 2 vertiefende (VP). Die Fachleiter sind für die Gestaltung der vertie-fenden Praktika verantwortlich. Wie dies erfolgen könnte, war Thema der Fachleitertagung Mathematik im Juni 2009 in Trier. Der Eingangsvortrag ist hier abrufbar.
 
   
  
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